Geschichte

Im Jahre 1919, also der Geburtsstunde der Republik Österreich, wurde im Parkhotel Schönbrunn in Hietzing der „Hietzinger Park-Club“ gegründet. Das Gründungsdatum ist der 21. Juli 1919. Aus dem „Hietzinger Park-Club“ ging im Jahre 1926 die „Hietzinger Tennisvereinigung“ (HTV) hervor.

Tennissport

Schon im 16. Jahrhundert wurde nicht nur in Italien, Frankreich oder England, sondern auch in den Ballhäusern in Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck das „Jeu de Paume“ gespielt. Mit der Handfläche (Paume). 200 Jahre lang wurde z.B. in einem Neubau der Hofburg gespielt, bis Maria Theresia 1741 dieses Ballhaus zu einem „Burgtheater“ umwidmen ließ und den Auftrag gab, dem Sport auf dem heutigen Ballhausplatz eine neue Heimstätte zu schaffen.

Das Schlagen eines Gummiballes mit Holzgeräten über ein Netz, das den Saal in der Mitte teilte, war der größte Fortschritt; der Ball-Lehrer (Paumier) stellte Bälle und Schläger her. Jahrhunderte alt ist auch die heutige Zählweise, für die man die Uhr (15, 30, 45, volle Stunde) benützte; daraus entstand das heutige 15,30,40, Game. Auch Einstand (deuce = a deux) und Vorteil wurde schon in den Ballhäusern gehandhabt. Der Begriff Tennis dürfte aus dem französischen „tenez“ = „nehmen Sie“, halten Sie, entstanden sein.

Seit 1877 machten regelmäßige Schaukämpfe mit britischen Spitzenspielern den Tennissport „in“. 1894 wurde die erste Österreichische Meisterschaft über private Initiative durchgeführt. Die Sieger: Engländer.

Der „Österreichische Lawn Tennisverband“ wurde 1902 gegründet. In diesem Jahr erhielt der GAK seine Tennissektion, schon 1897 gab es den WAC, 1899 Baden, 1900 die Tennissektion des Vienna Bicycleclubs, der später zum Wiener Parkclub wurde.

Tennis war seit 1896 olympisch; 1912 in Stockholm kämpften Dr. Arthur Zborzil (WAC) und der Prager Dr. Felix Pipes Silber im Doppel. In der ersten Republik nach 1918 hatte Tennis im österreichischen Sportgeschehen nur geringe Bedeutung.

 

Die HTV

In diese Phase fällt die Gründung der HTV, der Hietzinger Tennisvereinigung, die, wie der Name schon andeutet, aus der Fusion zweier bereits bestehender Vereine hervorging. Im Vorraum der HTV hängt eine Kopie des Originaldokuments, mit dem der erste Vorstand des Hietzinger Park-Clubs seine Mitglieder bekannt gab. Das Gründungsdatum ist der 21. Juli 1919. Als Gründungsmitglied scheint in der Urkunde auch ein gewisser Hans Eypeltauer auf. Sein Enkel Ivo ist 2006 eine Säule unserer ersten Kampfmannschaft, seine Mutter Irmgard eines unserer langjährigen Mitglieder.

 

In dem Bestreben, einen größeren Verein zu gründen, schließen sich Hietzinger Park-Club und Hietzinger Tennis-Klub zur „Hietzinger Tennisvereinigung“ (HTV) zusammen. Erster Präsident wird Major Willi Dworzak, nach dessen Erkrankung folgt 1929 Dir. C.M. Magnus. Eine der treibenden Kräfte ist Dr. Paul Thomas. Der Klub hat zu Beginn 137 Mitglieder (hievon 99 ausübende) und mietet bei dem in der Premreinergasse gelegenen Hietzinger Cottage Tennisclub 7 Tennisplätze. Schon im ersten Jahr wird ein internationales Turnier veranstaltet.

Unsere Nachbarn

Nordöstlich der HTV, zwischen der Premreinergasse und der Auhofstraße, lag der Fussballplatz des "Amateur Sportvereins" (seit 1922). Daraus wurden die spätere Austria.

Mit unserem Nachbarklub Blau Weiss verbindet uns auch ein Teil unserer Geschichte. Die seinerzeit als „Nordpolplätze“ bekannte Anlage war von 1926–1928 unsere Spielstätte. Bald kaufte die HTV dann jene 5.500m2 Grund, auf denen heute unser Klub steht.

Der zentrale Platz, auf dem der Blau Weiß Platz liegt, wurde 1932 nach dem deutschen Dichter Karl Gutzkow (1811–1878) benannt. Die Amateure Wien waren 1932 ins Wiener Stadion übersiedelt, das frei Areal wurde später für Wohnbauten benützt.

1936 wurden bereits die Österreichischen Staatsmeisterschaften auf unserer Anlage ausgeführt.

Unsere Herrenmannschaft nahmen in diesem Zeitraum einen Rang zwischen der 7. und 11. Stelle ein, in der Saison 1938/1939 wurde sogar der 2. Rang erreicht. 1940 fielen die Wettkampftätigkeit den Kriegsereignissen zum Opfer.

Der Wiederaufbau

Nach dem Krieg wurde eine Schachtel (Dosen kamen ja erst später) mit drei (weissen) Bällen wie Gold gehandelt. Sie kostete auf dem Schwarzmarkt 350 bis 450 Schilling (Euro 25–33), Beamte, Angestellte, Arbeiter verdienten aber nur 150 bis 200 Schilling im Monat.

Bis 1953 genossen die britischen Besatzungssoldaten die Vorzüge unserer Anlage, ehe sie diese wieder freigaben. 1954 wurde Dr. Paul Thomas Präsident.

Wettkampfsport

In den Jahren 1954 bis 1965 kämpften für uns Irmgard Pennerstorfer, Vera Peschka, Thea Steinhart, Traute Vutk und Christa Kuschel. Bei den Herren Dr. Kurt Völter, Arch. Wolfgang Bauer, Gerhard Pierer, Dr. Werner Weiss, Bernd Heidrich, Wolfgang Bartl u.a. 1956 erfolgte der Aufstieg unserer 1. Damenmannschaft in die Staatsliga, Irmi Pennerstorfer erreichte Rang fünf der österreichischen Rangliste. Thea Steinhardt gewann 1958 und 1959 die Wiener Jugendmeisterschaften, 1960 die österreichischen (1961 mit Werner Weiss akademische Meister).

Trainer vom Format eines Andi Stolpa (1962-1967), L. Skonecki (1968-1969), Vrba (ab 1972) und Jancso (ab 1973) belebten die sportlichen Aktivitäten unter Präsident Dr. Rolf Gürtler. Der Verein beteiligte sich mit drei Herren- und zwei Damenmannschaften an den Verbandsmeisterschaften. Zum Vergnügen wurden mit dem ungarischen Spitzenverein Vasas Budapest und dem Münchner Tennisklub Großhesselohe Freundschaftswettkämpfe ausgetragen.
1968 wurde Dipl.Ing. Dr. Konrad Kuschel Präsident. 1969 bis in die 70er Jahre schrieben Paul Peschka und Ingrid Niesslein im Single wie im Doppel HTV Tennisgeschichte, Elfi Lehner wurde Jugendmeisterin.

1970 konnte die Damenmannschaft durch Sissy Eipeltauer, Dr. Noe (Dr. Bonelli), Martina und Ingrid Niesslein verstärkt werden. Die Spitzenspielerin Dkfm. Szofia Garaguly spielte große Partien für uns. Den Pokal des Sportwartes MR. Dr. Franz Pennerstorfer hat in den Jahren 1971 bis 1973 Dkfm. H. Rauscher, 1974 Dr. Hans Schier und 1975 Richard Leuthner gewonnen.

1975 wurde Dr. Rudolf Gürtler Präsident. Dieses Jahr gelang es der durch Jancso, Peschka und Leuthner verstärkten Herrenmannschaft den 2. Rang in der 2. Gruppe der Wiener Liga zu erobern. Unvergessen aus dieser Zeit der „Engel“ „Angela“ Pakaski, eine Personalunion aus Kantineurin und Sekretärin, ein Unikum der HTV.

Der Profisport

In den 1980ern dominierten die HTV Herren die Wiener Liga. Langsam griff eine semi-professionelle Einstellung um sich, was zu entsprechenden Budgetbelastungen führte. Die Damen mit Bettina Diessner, Miriam Schweda und der US Amerikanerin Darlene Williamson behaupteten sich sogar in der „Superliga“. 1982 wechselte die Präsidentschaft zu Dipl. Ing. Dr. Friedrich Nemec, 1985 übernahm Dr. Egon Sattler, unser heutiger Ehrenpräsident, dieses Amt.

Mitte der 1990er war es auch für die Herren soweit; es kam zum Aufstieg in die Staatsliga B (Clemens und Lukas Trimmel, Alex Krell, Thomas Pirker-Krassnig, Lech Bienkovsky, später Hans Priller und Co.). Dort gewann die HTV (unter dem neuen Präsidenten Dr. Werner Weiss) alle Begegnungen und spielte fortan drei Jahre in der „Superliga“. Im Jahr 2000 wurde das Team aus Kostengründen aufgelöst. Präsident war jetzt Dr. Hans-Horst Schallaböck, 2005 folgte Dipl.Ing. Mag. Wolfgang P. Kalny an die Spitze unserer Vereinigung.

Besonders erfreulich war, dass sich zum Beispiel im Jahre 2006 aus Eigeninitiative eine neue Herrenmannschaft konstituierte, die auf Anhieb in ihrer Klasse siegreich war. Das Bemerkenswerte daran ist, dass die meisten ihrer Spieler unter 25 Jahre sind und dem Jugendprogramm der HTV entwachsen sind.

HTV heute

Damit sind wir in der Gegenwart gelandet: zum Vergleich bietet sich noch an, dass um 1990 55 Damen und Herren in unseren Mannschaften aktiv an den verschiedenen vom Verband ausgeschriebenen Wettkämpfen und Mannschaftsbewerben teilgenommen haben. Im Jubiläumsjahr 2006 (80 Jahre HTV) waren beim Tennisverband 24 Damen und 52 Herren in insgesamt 12 Mannschaften genannt. 2015 waren es 25 Mannschaften.

2014 wurden die Damen wieder einmal Wiener Meister, die Herren stiegen in die Landesliga auf. Besonders erfolgreich waren auch die weiteren Damen- und Herrenmannschaften und die Jugendlichen sowie die Senioren.

Zu unseren Trainern zählten immer legendäre Namen, die sehr dazu beitrugen, dass das Spielniveau in der HTV für eine reine Amateurverbindung sehr hoch war und ist. Seit 1992 spielt bei uns Mag. Julius Kascak. Besonderen Wert wurde lange Jahre durch das persönliche Engagement des Geschwisterpaares Ulli und Hans Priller neben dem Mannschaftstraining auf die Jugend- und Kinderförderung gelegt. Zur Zeit sind vier vollprofessioneller Trainer engagiert (siehe Sport/Trainer). Allsommerlich veranstaltete Kinderkurse verzeichnen bis zu 50 Teilnehmer pro Woche. Diverse Kleinfeldturniere im Frühjahr und im Herbst fordern auch die Jüngsten. Apropos: wir trainieren unser Kinder nach modernsten Richtlinien (Griffband-Colourcodesystem).

Im Jahr 2010 bestand der Verein aus 360 Mitgliedern. 2013 erreichten wir den Höchststand von 500 Mitglieder, worauf der Vorstand beschloß, eine temporäre Aufnahmesperre zu erlassen.

Entertainment

In unserem schönen und eleganten Klubhaus führen wir ein Restaurant, W-LAN lädt ein, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden und gelegentlich den Laptop in der HTV aufzustellen. Ein Flatscreen TV bringt uns die großen Sportereignisse live ins Haus.

Unsere Bridgespieler sind eine weitere Besonderheit, die wir in unserer Vereinigung pflegen. Ein jährliches Klubturnier im Spätherbst ist zum Fixpunkt geworden.

Der Eröffnungscocktail zu Saisonbeginn, unser Sommerfest, die Weihnachstfeier und sogenannte „First Wednesdays“ – Jour fixe mit einem interessanten Gast in der HTV – sind vielbesuchte Veranstaltungen.